Konfliktstufen nach Glasl
Quelle: Friedrich Glasl (Konfliktmanagement, 1980) ↗ nachlesen
- Für
- Team, Zwischen Teams
Wann einsetzen
Wenn Konflikte im Team schwelen oder bereits eskaliert sind. Zur systematischen Einschätzung der Konfliktschwere. Wenn frühere Lösungsversuche gescheitert sind und eine strukturierte Herangehensweise nötig ist.
Beschreibung
Systematischer Ansatz zur Diagnose und Bearbeitung von Konflikten, basierend auf Friedrich Glasls 9-stufigem Eskalationsmodell. Das Modell unterscheidet 3 Hauptphasen mit je 3 Stufen und zeigt, wie Konflikte sich verschärfen und welche Interventionen auf jeder Stufe angemessen sind.
Die Methode hilft Facilitator:innen, die aktuelle Eskalationsstufe zu diagnostizieren und die passende Intervention zu wählen: Moderation (Stufen 1–3), Prozessbegleitung (Stufen 3–5), Mediation (Stufen 4–6), Schiedsverfahren (Stufen 5–7) oder Machteingriff (Stufen 6–9).
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- 1Diagnose der Eskalationsstufe (20 Min):Die 9 Stufen kurz vorstellen (visuell als Treppe oder Spirale). Gemeinsam mit den Konfliktparteien einschätzen: Auf welcher Stufe befinden wir uns? Typische Indikatoren: Stufe 1–3 = „Wir reden noch miteinander, aber es ist angespannt.“ Stufe 4–6 = „Es gibt Lager, öffentliche Vorwürfe.“ Stufe 7–9 = „Es geht nur noch darum, die andere Seite zu stoppen.“
- 2Rahmen setzen (10 Min):Gesprächsregeln vereinbaren: ausreden lassen, Ich-Botschaften, keine Schuldzuweisungen. Ab Stufe 4: getrennte Vorgespräche mit beiden Parteien führen, bevor sie zusammenkommen.
- 3Perspektiven hören (30 Min):Jede Partei schildert ihre Sicht, ungestört und ohne Gegenrede. Die Moderation fasst zusammen und fragt nach: „Habe ich das richtig verstanden?“ Dabei auf die Interessen hinter den Positionen achten: Was braucht die Person wirklich?
- 4Interessen herausarbeiten (20 Min):Gemeinsam die tieferliegenden Bedürfnisse identifizieren. Typische Frage: „Was wäre für dich eine gute Lösung, und warum?“ Die Antwort auf das Warum zeigt das eigentliche Interesse. Beispiel: Position = „Ich will das Projekt leiten.“ Interesse = „Ich brauche Sichtbarkeit für meine Karriereentwicklung.“
- 5Lösungsoptionen entwickeln (20 Min):Brainstorming ohne Bewertung: Welche Lösungen sind denkbar? Kreativität fördern: „Was wäre, wenn es keine Einschränkungen gäbe?“ Gemeinsame Interessen als Basis nutzen.
- 6Vereinbarung treffen (15 Min):Eine konkrete, überprüfbare Vereinbarung formulieren. Wer tut was bis wann? Was passiert, wenn die Vereinbarung nicht eingehalten wird? Beide Parteien müssen aktiv zustimmen.
- 7Follow-up planen (5 Min):Review-Termin in 2–4 Wochen festlegen. Dort prüfen: Wird die Vereinbarung eingehalten? Hat sich die Eskalationsstufe verändert? Sind neue Themen aufgetaucht?
Materialliste
- Visualisierung des 9-Stufen-Modells (Poster oder Slide)
- Flipchart für Vereinbarungen
- Timer
- ruhiger Raum ohne Störungen