Modell
Gewaltfreie Kommunikation (GFK)
Quelle: Marshall B. Rosenberg (Nonviolent Communication, 1960er) ↗ nachlesen
- Für
- Einzelperson (Fachkraft), Einzelperson (Führungskraft), Team
Wann einsetzen
Wenn Teammitglieder aneinander vorbeireden, wenn Feedback als Angriff wahrgenommen wird, bei wiederkehrenden Missverständnissen, oder als grundlegendes Kommunikationstraining für Teams.
Beschreibung
Kommunikationsmethode von Marshall Rosenberg, die Konflikte durch empathisches Zuhören und ehrlichen Selbstausdruck transformiert. Die GFK basiert auf der Annahme, dass hinter jedem Verhalten ein unerfülltes Bedürfnis steckt und dass Konflikte entstehen, wenn Menschen Strategien zur Bedürfniserfüllung verwechseln.
BeobachtungWas ist konkret passiert? Ohne Bewertung, Interpretation oder Verallgemeinerung. Nicht „Du kommst immer zu spät“, sondern „Du bist heute und gestern 15 Minuten nach dem vereinbarten Zeitpunkt gekommen.“ Die Trennung von Beobachtung und Bewertung ist der schwierigste und wichtigste Schritt.
GefühlWie fühle ich mich dabei? Echte Gefühle benennen, keine verdeckten Vorwürfe. „Ich bin frustriert“ statt „Ich fühle mich ignoriert“ (ignoriert ist eine Bewertung des Gegenübers, kein Gefühl). Typische echte Gefühle: verunsichert, ärgerlich, traurig, enttäuscht, besorgt.
BedürfnisWelches Bedürfnis steckt dahinter? Universelle menschliche Bedürfnisse wie Sicherheit, Zugehörigkeit, Autonomie, Wertschätzung, Klarheit. „Mir ist Verlässlichkeit wichtig“ statt „Du solltest pünktlich sein.“
BitteWas wünsche ich mir konkret? Eine positive, konkrete, machbare Handlungsbitte. „Kannst du mir Bescheid geben, wenn du dich verspätest?“ statt „Sei pünktlich.“ Wichtig: Eine Bitte ist keine Forderung, das Gegenüber darf auch Nein sagen.
Die GFK ist kein WeichspülerSie erfordert Mut, die eigene Verletzlichkeit zu zeigen, und Disziplin, das Gegenüber nicht zu bewerten. Im Team-Kontext verändert sie die Gesprächskultur nachhaltig.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- 1Einführung in die 4 Schritte (15 Min):Die 4 Komponenten (Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte) mit Alltagsbeispielen vorstellen. Anti-Beispiele zeigen: „Du bist rücksichtslos“ vs. „Als du das Meeting ohne Ankündigung verlassen hast (Beobachtung), war ich irritiert (Gefühl), weil mir Respekt für die gemeinsame Zeit wichtig ist (Bedürfnis). Kannst du beim nächsten Mal kurz Bescheid geben? (Bitte)“
- 2Beobachtung vs. Bewertung üben (15 Min):Sätze vorlesen und gemeinsam sortieren: Ist das eine Beobachtung oder eine Bewertung? „Lisa arbeitet zu viel“ (Bewertung) vs. „Lisa hat diese Woche an 3 Abenden nach 20 Uhr E-Mails geschickt“ (Beobachtung). Die Teilnehmenden formulieren eigene Beispiele um.
- 3Gefühle vs. Pseudo-Gefühle unterscheiden (10 Min):Liste mit echten Gefühlen und Pseudo-Gefühlen (die eigentlich Bewertungen sind) durchgehen. „Ich fühle mich übergangen“ = Pseudo-Gefühl (das Gegenüber übergeht mich). „Ich bin enttäuscht“ = echtes Gefühl. Übung: Zu jedem Pseudo-Gefühl das echte Gefühl finden.
- 4Bedürfnisse erkennen (10 Min):Universelle Bedürfnisse auf Karten auslegen (Sicherheit, Autonomie, Zugehörigkeit, Wertschätzung, Sinn, Erholung …). Jede:r wählt die 3 Bedürfnisse, die aktuell am wichtigsten sind. Kurzer Austausch: Was überrascht?
- 5Praxis-Übung in Paaren (25 Min):Reale, bewusst leichte Konfliktsituation aus dem Teamalltag wählen. Person A spricht in den 4 Schritten, Person B hört empathisch zu und spiegelt: „Du fühlst dich …, weil dir … wichtig ist?“ Dann tauschen. Die Moderation geht herum und unterstützt.
- 6Empathisches Zuhören üben (15 Min):Die andere Seite der GFK: Nicht nur selbst klar sprechen, sondern auch beim Gegenüber die Gefühle und Bedürfnisse heraushören. Übung: Person A sagt einen bewertenden Satz (z. B. „Dieses Projekt ist ein Chaos.“). Person B übersetzt empathisch: „Bist du frustriert, weil dir Struktur und Klarheit wichtig sind?“
- 7Transfer in den Alltag (10 Min):Alle nehmen sich eine konkrete Situation vor, in der sie diese Woche GFK anwenden wollen. Buddy-System einrichten: Zweiergruppen, die sich in 2 Wochen austauschen.
Materialliste
- Gefühle-Liste (echte Gefühle vs
- Pseudo-Gefühle), Bedürfnis-Karten, vorbereitete Übungssätze, Flipchart mit den 4 Schritten, Timer