Methode
Pluribus-Katalog

Delegation Poker

Quelle: Jurgen Appelo (Management 3.0, 2011) ↗ nachlesen

Dauer
60–90 Min
Für
Einzelperson (Führungskraft), Team
Geeignet für
Vor Ort, Remote, Hybrid
Phase im Workshop
Entscheiden

Wann einsetzen

Wenn unklar ist, wer im Team welche Entscheidungen treffen darf. Bei neuen Führungskräften oder Teamzusammenstellungen. Wenn Entscheidungen verschleppt werden, weil niemand sich zuständig fühlt. Wenn das Team mehr Autonomie einfordert oder die Führungskraft mehr delegieren möchte. Bei der Einführung von Selbstorganisation. Wenn es wiederholt Konflikte darüber gibt, ob jemand „eigenmächtig“ oder „zu langsam“ entschieden hat.

Beschreibung

Spielerische Methode, um im Team Klarheit über Entscheidungsbefugnisse zu schaffen: Wer entscheidet was, und wie viel Einfluss hat das Team? Delegation Poker nutzt 7 Stufen der Delegation (von „die Führungskraft entscheidet allein“ bis „das Team entscheidet vollständig autonom“) und macht die oft unausgesprochenen Annahmen über Entscheidungshoheit explizit und verhandelbar.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. 1
    Delegation Poker erklären (10 Min):Die 7 Stufen vorstellen und mit Beispielen illustrieren. Beispiel „Technologie-Auswahl“: Stufe 1 (Tell) = CTO wählt die Technologie, informiert das Team. Stufe 4 (Agree) = Team und CTO entscheiden gemeinsam. Stufe 7 (Delegate) = Team wählt frei, CTO ist nicht involviert. Poker-Karten verteilen (1–7 pro Person, physisch oder digital, oder Finger zeigen wie beim Planning Poker).
  2. 2
    Entscheidungsbereiche sammeln (10 Min):Gemeinsam die relevanten Entscheidungsbereiche des Teams sammeln. Typische Bereiche: Technologie-/Tool-Auswahl, Aufgabenverteilung im Sprint, Urlaubsplanung, Einstellungsentscheidungen, Budget-Ausgaben bis X €, Architekturentscheidungen, Kundenkommunikation, Arbeitszeiten/Remote-Tage. 8–12 Bereiche sind ideal. Das Sammeln allein ist oft schon erhellend.
  3. 3
    Poker spielen (30–40 Min):Für jeden Entscheidungsbereich: Die Moderation liest den Bereich vor. Alle zeigen gleichzeitig ihre Karte (1–7). Die Gleichzeitigkeit verhindert Ankereffekte. Bei Übereinstimmung: Kurz bestätigen, auf das Board eintragen. Bei Abweichungen: Die Person mit der höchsten und die mit der niedrigsten Karte erklären ihre Sicht. Kurze Diskussion (max. 3 Min). Erneut Karten zeigen. Ziel ist eine Stufe oder ein schmaler Bereich (z. B. „zwischen 4 und 5“). Konsens anstreben, kein Zwang: Nach maximal 2 Runden den Mittelwert als Ausgangspunkt nehmen. Die Führungskraft hat hier kein Vetorecht, es ist eine gemeinsame Verhandlung.
  4. 4
    Delegation Board erstellen (10 Min):Die Ergebnisse in eine Matrix übertragen: Zeilen = Entscheidungsbereiche, Spalten = Stufen 1–7. Für jeden Bereich die vereinbarte Stufe markieren. Das Board sichtbar aufhängen oder digital ablegen.
  5. 5
    Randbedingungen klären (10 Min):Für jede Delegation Grenzen definieren: „Budget-Ausgaben bis 500€ → Stufe 6 (Inquire). Ab 500€ → Stufe 3 (Consult).“ Oder: „Architekturentscheidungen → Stufe 4 (Agree), außer bei Prototypen → Stufe 7 (Delegate).“
  6. 6
    Review planen (5 Min):Wann überprüfen wir das Board? Empfehlung: Alle 3 Monate oder bei Teamveränderungen. Die Frage: Hat sich die Delegation bewährt? Wo sollten wir mehr delegieren, wo weniger? Delegation ist nicht statisch. Mit wachsendem Vertrauen können Stufen angepasst werden.

Materialliste

  • Delegation Poker-Karten (1–7 pro Person
  • Management 3.0 bietet Vorlagen
  • auch als App)
  • Delegation Board (Flipchart
  • Whiteboard oder Miro)
  • Liste mit Entscheidungsbereichen (vorbereitet)
  • Sticky Notes
  • Timer