Workshop-Ablauf
Pluribus-Katalog

Working Agreements Workshop

Quelle: Agile Community, Scrum-Praxis, verwandt mit Social Contract und Team Charter

Dauer
60–90 Min
Für
Team
Geeignet für
Vor Ort, Remote, Hybrid

Wann einsetzen

Bei neuen Teams, nach Teamkonflikten, wenn implizite Regeln zu Missverständnissen führen, oder als regelmäßiges Ritual (z. B. alle 3 Monate), um die Vereinbarungen zu überprüfen und anzupassen. Bei der Einführung von hybrider oder Remote-Arbeit.

Beschreibung

Workshop zur gemeinsamen Erarbeitung verbindlicher Spielregeln für die Zusammenarbeit im Team. Working Agreements sind explizite Vereinbarungen darüber, wie das Team miteinander arbeiten will, von Kommunikationsregeln über Meeting-Etikette bis zu Code-Standards. Sie verhindern damit die häufigste Quelle von Teamkonflikten: unterschiedliche, nie ausgesprochene Annahmen darüber, wie Dinge laufen sollten.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. 1
    Warum Working Agreements? (5 Min):Kurzer Impuls: Working Agreements sind keine Regeln von oben, sondern gemeinsame Vereinbarungen. Sie schützen die Zusammenarbeit, machen Erwartungen explizit und geben dem Team ein Werkzeug, um Probleme anzusprechen.
  2. 2
    Pain Points sammeln (10 Min):Stilles Brainstorming, bei dem jede:r auf Stickies schreibt, wo es in der Zusammenarbeit hakt, anonym, wenn gewünscht. Einstiegsfrage: „Was hat dich in der Zusammenarbeit in den letzten 4 Wochen genervt, irritiert oder verlangsamt?“ Beispiele: „Meetings überziehen ständig“, „Ich weiß nie, ob jemand im Homeoffice ist“, „PRs liegen tagelang ohne Review“.
  3. 3
    Clustern (5 Min):Ähnliche Pain Points gruppieren. Typische Cluster: Meetings, Kommunikation, Code/Qualität, Erreichbarkeit, Entscheidungen.
  4. 4
    Wünsche sammeln (10 Min):Für die Cluster: „Wie wünschst du dir, dass es stattdessen läuft?“ Wieder auf Stickies, gemeinsam besprechen. Der Wechsel von Frust zu Wunsch macht die Diskussion konstruktiv.
  5. 5
    Agreements formulieren (20 Min):Für jeden Cluster gemeinsam ein Working Agreement formulieren. Format: „Wir vereinbaren, dass …“ Wichtig: Konkret und beobachtbar. Test: Kann jemand von außen erkennen, ob das Agreement eingehalten wird? „Wir behandeln uns respektvoll“ ist nicht überprüfbar. „Pull Requests werden innerhalb von 4 Stunden reviewed“ ist überprüfbar. Jedes Agreement im Konsent verabschieden: nicht „Stimmen alle zu?“, sondern „Hat jemand einen schwerwiegenden Einwand?“
  6. 6
    Priorisieren (5 Min):Maximal 7–10 Agreements, denn mehr kann sich niemand merken. Wenn es mehr Vorschläge gibt: Dot-Voting auf die wichtigsten. Der Rest kommt auf eine Warteliste.
  7. 7
    Commitment-Check (5 Min):Jede:r bewertet jedes Agreement mit Daumen hoch (ich stehe dahinter), Daumen zur Seite (kann ich mittragen), Daumen runter (habe einen Einwand). Einwände besprechen und das Agreement ggf. anpassen.
  8. 8
    Sichtbar machen (5 Min):Agreements aufschreiben und sichtbar aufhängen, physisch im Büro, als Pin im Team-Channel oder im Team-Wiki. Review-Termin vereinbaren: In 4–6 Wochen die Agreements überprüfen. Was funktioniert, was nicht? Danach in jeder Retrospektive 5 Minuten dafür einplanen.

Materialliste

  • Sticky Notes, Whiteboard oder Flipchart, Stifte, Dot-Sticker, Timer, Dokumentationsvorlage
  • Optional: Vorlage mit den häufigsten Kategorien (Meetings, Kommunikation, Code, Erreichbarkeit)