Routinen & Leitfäden
1-on-1 Gespräche (Strukturiert)
Quelle: Andy Grove (High Output Management, 1983), Ben Horowitz, Kim Scott (Radical Candor) ↗ nachlesen
- Dauer
- 30–60 Min
- Für
- Einzelperson (Fachkraft), Einzelperson (Führungskraft)
- Geeignet für
- Vor Ort, Remote, Hybrid
Wann einsetzen
Regelmäßig, wöchentlich oder zweiwöchentlich, als fester Termin. Besonders wichtig bei neuen Teammitgliedern, bei Veränderungen, bei Konflikten oder wenn jemand unzufrieden wirkt. Nicht nur bei Problemen, sondern auch, wenn alles gut läuft.
Beschreibung
Regelmäßige, strukturierte Einzelgespräche zwischen Führungskraft und Teammitglied: das wichtigste Führungsinstrument überhaupt. Das 1-on-1 ist kein Status-Meeting, kein Performance-Review und kein Projekt-Update. Es gehört der geführten Person: ihre Themen, ihre Entwicklung, ihre Herausforderungen.
Warum 1-on-1s unverzichtbar sindIn Team-Meetings sprechen die Lauten. Im Alltag fehlt die Zeit für Persönliches. Performance-Reviews kommen zu selten und zu spät. Das 1-on-1 ist der einzige regelmäßige Raum, in dem eine Führungskraft wirklich zuhört, nicht um Probleme zu lösen, sondern um zu verstehen.
Die 3 EbenenOperativ: Was läuft gerade? Wo gibt es Hindernisse? Was braucht die Person von mir? Diese Ebene dominiert oft, sollte aber maximal 30% der Zeit einnehmen. Entwicklung: Wohin will die Person? Was lernt sie gerade? Wo fühlt sie sich unterfordert oder überfordert? Was sind ihre mittelfristigen Ziele? Beziehung: Wie fühlt sich die Person im Team? Wie erlebt sie meine Führung? Was kann ich besser machen? Diese Ebene erfordert Verletzlichkeit von beiden Seiten.
Die häufigsten FehlerDas 1-on-1 absagen, wenn es „gerade stressig ist“ (Signal: Du bist mir nicht wichtig genug). Nur über Projekte reden (das ist ein Projekt-Meeting, kein 1-on-1). Probleme sofort lösen wollen, statt erstmal zuzuhören (die Person braucht oft kein „Tu X“, sondern „Ich verstehe“). Nur fragen, nie selbst etwas teilen (1-on-1s sind keine Einbahnstraße).
Rhythmus und DauerWöchentlich oder alle 2 Wochen, 30–60 Minuten. Nie seltener als alle 2 Wochen, sonst reißt der Faden. Immer zum gleichen Zeitpunkt, immer mit derselben Priorität wie ein Kundenmeeting. Absagen nur im Notfall, nie wegen „zu viel zu tun“.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- 1Vorbereitung (5 Min, vor dem Gespräch):Beide Seiten bereiten sich vor. Die geführte Person bringt ihre Themen mit (was sie besprechen will). Die Führungskraft schaut sich Notizen vom letzten 1-on-1 an: Gab es offene Punkte? Hat sich etwas verändert? Gab es Beobachtungen seit dem letzten Gespräch?
- 2Check-in (5 Min):Nicht „Wie geht's?“ (Antwort: „Gut“), sondern eine echte Frage: „Wie ist deine Energielage gerade auf einer Skala von 1–10?“ oder „Was beschäftigt dich gerade am meisten, beruflich oder privat?“ Zuhören. Nicht sofort in Lösungsmodus schalten.
- 3Themen der geführten Person (15–25 Min):„Was möchtest du heute besprechen?“ Die geführte Person setzt die Agenda. Die Führungskraft hört zu, fragt nach, versteht. Erst wenn die Person es wünscht: Lösungsvorschläge. Coaching-Fragen nutzen: „Was hast du bereits versucht?“, „Was wäre der ideale Ausgang?“, „Was hindert dich?“
- 4Entwicklungs-Check (5–10 Min):Regelmäßig (nicht jedes Mal): „Wo stehst du in deiner Entwicklung? Lernst du gerade genug? Gibt es etwas, das du gerne ausprobieren würdest?“ Mittelfristige Ziele überprüfen: Sind wir auf Kurs? Haben sich die Ziele verändert?
- 5Führungskraft-Themen (5–10 Min):Eigene Beobachtungen teilen, ehrlich und konkret. „Mir ist aufgefallen, dass du in der letzten Retro kaum gesprochen hast. Wie hast du das erlebt?“ Auch Positives: „Dein Vorschlag zum Deployment-Prozess war exzellent. Das hat echten Impact gehabt.“ Selbst Feedback einfordern: „Was kann ich als Führungskraft besser machen?“
- 6Zusammenfassung und nächste Schritte (5 Min):Offene Punkte notieren. Wer macht was bis wann? Nächsten Termin bestätigen. Zum Abschluss: „Gibt es noch etwas, das du loswerden möchtest?“
Materialliste
- Geteiltes Dokument für 1-on-1-Notizen (z
- B
- Notion, Google Doc, beide haben Zugriff), vorbereitete Fragen (als Backup), ruhiger Raum ohne Ablenkung