Modell
Pluribus-Katalog

Themenzentrierte Interaktion (TZI)

Quelle: Ruth Cohn (1912–2010), TZI seit den 1950er Jahren ↗ nachlesen

Für
Team

Wann einsetzen

Wenn Gruppendiskussionen unproduktiv werden, wenn das Verhältnis von Sacharbeit und Beziehungsarbeit aus der Balance gerät, bei unterschwelligen Konflikten, oder als Grundlagenformat für wertschätzende Teamkommunikation.

Beschreibung

Kommunikations- und Gruppenarbeitsmethode von Ruth Cohn, die 4 Faktoren in dynamische Balance bringt. Die TZI wurde in den 1950er Jahren aus der Gruppentherapie entwickelt und ist heute ein Standardwerkzeug in der Teamentwicklung und Konfliktbearbeitung.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. 1
    Das TZI-Modell vorstellen (10 Min):Das Dreieck ICH-WIR-ES im GLOBE-Kreis visualisieren. Jede Ecke mit Beispielen erklären. Die 2 Postulate vorstellen: „Sei deine eigene Chairperson“ und „Störungen haben Vorrang.“ Beispiel: Wenn jemand im Meeting gedanklich abwesend ist, weil gerade ein privates Problem drückt, ist das eine Störung, die die Arbeit blockiert, auch wenn niemand sie ausspricht.
  2. 2
    Balance-Check (15 Min):Das aktuelle Meeting oder den aktuellen Konflikt anhand der 4 Faktoren analysieren. Jede:r bewertet auf einer Skala von 1–5, wie stark jeder Faktor gerade präsent ist. Gemeinsam besprechen: Wo ist das Ungleichgewicht? Typisch: „Wir reden nur über die Sache (ES), aber ignorieren, dass 2 Leute im Team nicht miteinander können (WIR).“
  3. 3
    ICH-Runde (15 Min):Jede:r spricht kurz über die eigene Perspektive zum aktuellen Thema oder Konflikt. Format: „Ich sehe … Ich fühle … Mir ist wichtig …“ Keine Diskussion, nur zuhören. Diese Runde macht persönliche Betroffenheit sichtbar, die sonst unter der Oberfläche bleibt.
  4. 4
    WIR-Reflexion (15 Min):Die Gruppendynamik thematisieren. Leitfragen: Wie gehen wir miteinander um? Wer hat Einfluss, wer wird überhört? Welche ungeschriebenen Regeln gelten? Welche Allianzen oder Spannungen gibt es? Die Moderation normalisiert: „Das sind keine Vorwürfe, sondern Beobachtungen.“
  5. 5
    ES-Fokussierung (20 Min):Jetzt das Sachthema bearbeiten, mit dem Bewusstsein für die ICH- und WIR-Ebene. Konkrete Leitfrage formulieren und gemeinsam bearbeiten. Die Moderation achtet auf Balance: Wenn jemand emotional wird → ICH-Raum geben. Wenn eine Beziehungsdynamik die Sacharbeit blockiert → WIR ansprechen.
  6. 6
    GLOBE-Check (10 Min):Welche äußeren Faktoren beeinflussen die Situation? Was können wir ändern, was nicht? Realismus schaffen, ohne Resignation.
  7. 7
    Abschlussrunde (10 Min):Jede:r formuliert einen Satz: „Ich nehme mit …“ oder „Mein nächster Schritt ist …“ Die Moderation fasst die Balance zusammen: Was hat sich verschoben?

Materialliste

  • Visualisierung des TZI-Dreiecks (Flipchart oder Poster)
  • Balance-Check-Vorlage (4 Skalen)
  • Sticky Notes
  • Stifte
  • Timer