Team-Retrospektive (Kulturformat)
Quelle: Agile Retrospektiven (Esther Derby & Diana Larsen), erweitert um Kulturaspekte ↗ nachlesen
- Dauer
- 60–90 Min
- Für
- Team
- Geeignet für
- Vor Ort, Remote, Hybrid
Wann einsetzen
Vierteljährlich als Ergänzung zur Sprint-Retro. Wenn kulturelle Themen in der normalen Retro nie angesprochen werden. Nach einer Phase intensiver Zusammenarbeit (Release, Projekt, Krise). Wenn neue Teammitglieder integriert werden sollen.
Beschreibung
Spezielle Variante der Retrospektive, die nicht auf den letzten Sprint oder das letzte Projekt fokussiert, sondern auf die Teamkultur selbst: Wie arbeiten wir zusammen? Was läuft gut, was nicht? Was wollen wir verändern? Während die klassische Retro Prozesse und Ergebnisse reflektiert, reflektiert die Kultur-Retro Beziehungen und Verhaltensweisen.
Warum eine separate Kultur-Retro? In der Sprint-Retro dominieren oft operative Themen: „Die CI-Pipeline war langsam“, „Die Anforderungen waren unklar.“ Kulturthemen (wie jemand sich im Team fühlt, ob Feedback-Vereinbarungen eingehalten werden, ob bestimmte Stimmen untergehen) kommen zu kurz, weil sie persönlicher und schwieriger anzusprechen sind.
Der Fokus liegt auf 5 Bereichen. Kommunikation: Sprechen wir offen miteinander? Gibt es Themen, die niemand anspricht? Konflikte: Wie gehen wir mit Meinungsverschiedenheiten um? Schwelen Konflikte? Inklusion: Fühlen sich alle gehört? Wer redet viel, wer wenig? Warum? Vertrauen: Können wir Fehler zugeben? Bitten wir um Hilfe, wenn wir sie brauchen? Wertschätzung: Fühlen sich alle für ihre Beiträge anerkannt?
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- 1Check-in:Stimmungsbarometer (10 Min): Jede:r bewertet die eigene Zufriedenheit mit der Teamkultur auf einer Skala von 1–10. Kurze Begründung: „Ich bin bei 7, weil die Zusammenarbeit mit dem Frontend-Team super läuft, aber ich das Gefühl habe, dass meine Ideen im Planning untergehen.“ Die Moderation notiert die Werte. Sie geben einen ersten Überblick.
- 2Kulturthemen sammeln (15 Min):5 Kategorien auf Flipcharts verteilen: Kommunikation, Konflikte, Inklusion, Vertrauen, Wertschätzung. Jede:r schreibt Beobachtungen auf Stickies und klebt sie zur passenden Kategorie. Positives und Negatives. Beispiel: „Kommunikation: Ich schätze, dass wir im Daily ehrlich über Blocker sprechen“ und „Inklusion: Im letzten Architektur-Meeting haben nur 3 von 8 Personen gesprochen.“
- 3Cluster und Priorisierung (10 Min):Stickies innerhalb jeder Kategorie clustern. Per Dot-Voting die 2–3 wichtigsten Themen identifizieren. Das sind die Themen, die das Team am meisten beschäftigen.
- 4Vertiefung der Top-Themen (25 Min):Für jedes Top-Thema eine moderierte Diskussion. Leitfragen: „Was beobachten wir konkret? Was sind die Auswirkungen? Was wünschen wir uns stattdessen? Was können wir konkret tun?“ Die Moderation achtet darauf, dass es um Verhalten und Strukturen geht, nicht um Personen.
- 5Nächste Schritte vereinbaren (15 Min):Pro Thema ein konkretes, überprüfbares Vorhaben festlegen. Format: „Wir werden [konkrete Aktion] ab [Zeitpunkt]. [Person] übernimmt die Verantwortung. In [Zeitraum] prüfen wir, ob es wirkt.“ Maximal 3 Vorhaben, denn Fokus schlägt Vollständigkeit.
- 6Check-out (5 Min):Jede:r sagt einen Satz: „Ich nehme mit …“ oder „Ich wünsche mir …“ Kurz, persönlich, ohne Diskussion.
Materialliste
- 5 Flipcharts (Kommunikation
- Konflikte
- Inklusion
- Vertrauen
- Wertschätzung)
- Sticky Notes
- Dot-Sticker
- Timer
- Vertraulichkeitsvereinbarung (optional)