Methode
Pre-Mortem Workshop
Quelle: Gary Klein (The Power of Intuition, 2004) ↗ nachlesen
- Dauer
- 60–90 Min
- Für
- Einzelperson (Führungskraft), Team
- Geeignet für
- Vor Ort, Remote, Hybrid
- Phase im Workshop
- Sammeln, Verdichten
Wann einsetzen
Vor dem Start wichtiger Projekte, vor großen Releases oder Launches, wenn das Team zu optimistisch wirkt und blinde Flecken haben könnte, oder als Ergänzung zu einer Risikoanalyse, wenn klassische Methoden zu abstrakt bleiben.
Beschreibung
Strategisches Risikomanagement-Format, das den Blickwinkel umdreht: Statt zu fragen „Was könnte schiefgehen?“ tut das Team so, als wäre das Projekt bereits gescheitert, und arbeitet dann rückwärts, um die Ursachen zu identifizieren.
Die Methode nutzt einen psychologischen TrickEs ist viel einfacher, Gründe für ein Scheitern zu finden, wenn man sich das Scheitern bereits vorstellt, als abstrakt über „Risiken“ zu philosophieren. Gary Klein, der Erfinder, fand heraus, dass Pre-Mortems die Fähigkeit, Probleme vorherzusagen, um 30% steigern.
Der Pre-Mortem besteht aus 3 PhasenErst das Scheitern visualisieren, dann die Ursachen identifizieren, und schließlich präventive Schritte entwickeln. Das Ergebnis ist ein konkreter Aktionsplan, der die wahrscheinlichsten Fehlerpfade adressiert, bevor sie eintreten.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- 1Szenario setzen (5 Min):„Stellt euch vor: Es ist [Datum, z. B. 6 Monate später]. Das Projekt ist spektakulär gescheitert. Nicht ein bisschen schiefgegangen, sondern richtig gescheitert.“ Das Szenario muss emotional spürbar sein: „spektakulär gescheitert“ aktiviert andere Denkprozesse als „suboptimal gelaufen“.
- 2Stilles Brainstorming (10 Min):Jede Person schreibt Ursachen für das Scheitern auf Stickies, eine Ursache pro Sticky. Leitfrage: „Was hat zum Scheitern geführt?“ Ermutigung: Keine politischen Filter, auch unangenehme Wahrheiten aufschreiben. Auch scheinbar unwahrscheinliche Szenarien: Die überraschenden Risiken sind oft die gefährlichsten.
- 3Ursachen teilen (10 Min):Reihum Stickies vorstellen und ans Board heften. Keine Diskussion in dieser Phase, nur Verständnisfragen. Alle Ursachen sind gleich gültig.
- 4Clustern und priorisieren (10 Min):Ähnliche Ursachen gruppieren. Dann zwei Dimensionen bewerten: Wie wahrscheinlich ist das? Wie schwerwiegend wäre es? Die Kombination aus hoher Wahrscheinlichkeit und hohem Schaden ergibt die Priorität. Dot-Voting auf die wichtigsten Cluster.
- 5Präventive Schritte entwickeln (20 Min):Für die Top-5-Risiken: Was können wir JETZT tun, um dieses Szenario zu verhindern? Für jedes Risiko mindestens einen konkreten Schritt. Unterscheiden: Vermeidung (das Risiko eliminieren) vs. Mitigation (den Schaden begrenzen) vs. Monitoring (Frühwarnsystem einrichten).
- 6Verantwortliche und Timeline (10 Min):Für jeden Schritt: Wer übernimmt die Verantwortung? Bis wann? In welchem Meeting wird der Status geprüft?
Materialliste
- Sticky Notes
- Whiteboard oder Flipchart
- Stifte
- Timer
- Dot-Sticker
- optional: Wahrscheinlichkeit/Schwere-Matrix als Vorlage