Methode
Pluribus-Katalog

Pre-Mortem Workshop

Quelle: Gary Klein (The Power of Intuition, 2004) ↗ nachlesen

Dauer
60–90 Min
Für
Einzelperson (Führungskraft), Team
Geeignet für
Vor Ort, Remote, Hybrid
Phase im Workshop
Sammeln, Verdichten

Wann einsetzen

Vor dem Start wichtiger Projekte, vor großen Releases oder Launches, wenn das Team zu optimistisch wirkt und blinde Flecken haben könnte, oder als Ergänzung zu einer Risikoanalyse, wenn klassische Methoden zu abstrakt bleiben.

Beschreibung

Strategisches Risikomanagement-Format, das den Blickwinkel umdreht: Statt zu fragen „Was könnte schiefgehen?“ tut das Team so, als wäre das Projekt bereits gescheitert, und arbeitet dann rückwärts, um die Ursachen zu identifizieren.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. 1
    Szenario setzen (5 Min):„Stellt euch vor: Es ist [Datum, z. B. 6 Monate später]. Das Projekt ist spektakulär gescheitert. Nicht ein bisschen schiefgegangen, sondern richtig gescheitert.“ Das Szenario muss emotional spürbar sein: „spektakulär gescheitert“ aktiviert andere Denkprozesse als „suboptimal gelaufen“.
  2. 2
    Stilles Brainstorming (10 Min):Jede Person schreibt Ursachen für das Scheitern auf Stickies, eine Ursache pro Sticky. Leitfrage: „Was hat zum Scheitern geführt?“ Ermutigung: Keine politischen Filter, auch unangenehme Wahrheiten aufschreiben. Auch scheinbar unwahrscheinliche Szenarien: Die überraschenden Risiken sind oft die gefährlichsten.
  3. 3
    Ursachen teilen (10 Min):Reihum Stickies vorstellen und ans Board heften. Keine Diskussion in dieser Phase, nur Verständnisfragen. Alle Ursachen sind gleich gültig.
  4. 4
    Clustern und priorisieren (10 Min):Ähnliche Ursachen gruppieren. Dann zwei Dimensionen bewerten: Wie wahrscheinlich ist das? Wie schwerwiegend wäre es? Die Kombination aus hoher Wahrscheinlichkeit und hohem Schaden ergibt die Priorität. Dot-Voting auf die wichtigsten Cluster.
  5. 5
    Präventive Schritte entwickeln (20 Min):Für die Top-5-Risiken: Was können wir JETZT tun, um dieses Szenario zu verhindern? Für jedes Risiko mindestens einen konkreten Schritt. Unterscheiden: Vermeidung (das Risiko eliminieren) vs. Mitigation (den Schaden begrenzen) vs. Monitoring (Frühwarnsystem einrichten).
  6. 6
    Verantwortliche und Timeline (10 Min):Für jeden Schritt: Wer übernimmt die Verantwortung? Bis wann? In welchem Meeting wird der Status geprüft?

Materialliste

  • Sticky Notes
  • Whiteboard oder Flipchart
  • Stifte
  • Timer
  • Dot-Sticker
  • optional: Wahrscheinlichkeit/Schwere-Matrix als Vorlage