Methode
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Konsent-Entscheidung (Soziokratie)

Quelle: Gerard Endenburg (Soziokratie, 1970er), Holacracy ↗ nachlesen

Dauer
15–45 Min
Für
Team, Zwischen Teams, Organisation
Geeignet für
Vor Ort, Remote, Hybrid
Phase im Workshop
Entscheiden

Wann einsetzen

Wenn Mehrheitsentscheidungen zu viel Widerstand erzeugen und Konsens zu lange dauert. Für operative Entscheidungen, die schnell getroffen und später angepasst werden können. In selbstorganisierten Teams, die ohne klassische Hierarchie entscheiden wollen.

Beschreibung

Entscheidungsmethode aus der Soziokratie, bei der nicht nach Zustimmung (Konsens), sondern nach Einwänden gefragt wird. Eine Entscheidung gilt als getroffen, wenn niemand einen schwerwiegenden Einwand hat, nicht erst, wenn alle begeistert sind. Das macht Konsent deutlich schneller als Konsens, ohne auf die Weisheit der Gruppe zu verzichten.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. 1
    Vorschlag vorstellen (5 Min):Eine Person präsentiert einen konkreten Vorschlag, also keine offene Frage, sondern einen ausformulierten Lösungsvorschlag. Beispiel: „Ich schlage vor, dass wir ab nächster Woche Daily Standups auf 10 Minuten begrenzen und montags ausfallen lassen.“ Der Vorschlag muss klar genug sein, dass man einen Einwand formulieren kann.
  2. 2
    Verständnisfragen (5 Min):Reine Verständnisfragen, keine Meinungen, keine Diskussion. „Gilt das auch für Teilnehmende, die remote dabei sind?“ „Ab welchem Montag?“ Die Moderation unterbricht sofort bei versteckten Meinungen: „Das klingt nach einer Meinung. Die kommt in der nächsten Runde.“
  3. 3
    Reaktionsrunde (5–10 Min):Reihum teilt jede:r die eigene Reaktion auf den Vorschlag. Kurz und frei: Gedanken, Gefühle, Verbesserungsideen. Keine Diskussion, keine Gegenreden. Die vorschlagende Person hört zu und macht sich Notizen. Sie darf den Vorschlag anpassen, muss aber nicht.
  4. 4
    Vorschlag anpassen (optional, 3 Min):Basierend auf den Reaktionen kann die vorschlagende Person den Vorschlag modifizieren. Kurze Erläuterung, was sich geändert hat und warum.
  5. 5
    Einwandrunde (5–10 Min):Die entscheidende Runde. Reihum wird jede:r gefragt: „Hast du einen schwerwiegenden Einwand?“ Ein Einwand muss begründet sein: Welcher konkrete Schaden droht? Die Moderation prüft: „Ist das ein Einwand oder eine Präferenz?“ Wenn kein Einwand: Entscheidung getroffen. Wenn Einwand: weiter zu Schritt 6.
  6. 6
    Integration (5–10 Min):Den Einwand ernst nehmen und in den Vorschlag integrieren. Die einwendende Person und die vorschlagende Person erarbeiten gemeinsam eine Anpassung. Dann erneute Einwandrunde mit der angepassten Version.
  7. 7
    Entscheidung dokumentieren (2 Min):Die finale Entscheidung schriftlich festhalten. Wer, was, ab wann, Review-Termin. Die Entscheidung ist „gut genug für jetzt“ und kann bei neuen Erkenntnissen angepasst werden.

Materialliste

  • Flipchart oder Board für den Vorschlag
  • Timer
  • Moderationskarten (Verständnisfrage / Reaktion / Einwand)
  • Dokumentationsvorlage