Facilitation
Brainstorming nach Osborn
Quelle: Alex F. Osborn (Applied Imagination, 1953) ↗ nachlesen
- Dauer
- 30–60 Min
- Für
- Team
- Geeignet für
- Vor Ort, Remote, Hybrid
- Phase im Workshop
- Sammeln
Wann einsetzen
Wenn viele Ideen zu einem klar definierten Thema gebraucht werden. Am Anfang eines Kreativprozesses, wenn der Lösungsraum noch offen ist. Wenn das Team in eingefahrenen Denkmustern steckt und frische Impulse braucht.
Beschreibung
Die Urmutter aller Kreativitätstechniken, entwickelt von Alex Osborn in den 1940er Jahren. Richtig durchgeführt, mit klaren Regeln und guter Moderation, ist Brainstorming immer noch eines der effektivsten Werkzeuge zur Ideengenerierung. Das Problem: Die meisten Teams „brainstormen“ ohne Regeln und wundern sich, warum es nicht funktioniert.
Quantität vor QualitätDas wichtigste Prinzip. Je mehr Ideen, desto wahrscheinlicher sind gute dabei. Ziel: 50–100 Ideen in 20 Minuten. Das klingt viel, ist aber mit Übung erreichbar. Die meisten Teams hören nach 15 Ideen auf, genau dann, wenn die offensichtlichen Ideen erschöpft sind und die wirklich kreativen kommen würden.
Keine KritikWährend des Brainstormings wird keine Idee bewertet, kommentiert oder in Frage gestellt. Kein „Ja, aber …“, kein Stirnrunzeln, kein „Das haben wir schon versucht.“ Jede Bewertung bremst den kreativen Fluss und erzeugt Selbstzensur.
Wilde Ideen willkommenÜbertriebene, unrealistische, verrückte Ideen sind ausdrücklich erwünscht. Sie öffnen den Denkraum und inspirieren andere. Aus „Wir lassen die Kund:innen das Produkt selbst bauen“ kann „Self-Service Konfiguration“ werden.
Auf Ideen aufbauenStatt eigene Ideen zu verteidigen, auf den Ideen anderer aufbauen. „Ja, und …“ statt „Ja, aber …“ Eine durchschnittliche Idee, weitergedacht von 3 Personen, wird oft besser als eine einzelne „gute“ Idee.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- 1Fragestellung formulieren (5 Min):Eine klare, offene Frage definieren: „Wie könnten wir …?“ Die Frage muss breit genug sein, um Kreativität zu ermöglichen, und spezifisch genug, um Fokus zu geben. Schlecht: „Wie verbessern wir alles?“ Gut: „Wie könnten wir das Onboarding neuer Teammitglieder in der ersten Woche verbessern?“
- 2Regeln erklären (2 Min):Die 4 Regeln auf ein Flipchart schreiben und sichtbar aufhängen: (1) Quantität vor Qualität, (2) Keine Kritik, (3) Wilde Ideen willkommen, (4) Auf Ideen aufbauen. Die Moderation ist streng: Bei jedem „Ja, aber …“ freundlich unterbrechen.
- 3Warm-up (5 Min):Eine kurze Aufwärmübung, um den kreativen Modus zu aktivieren. Beispiel: „Findet in 2 Minuten möglichst viele Verwendungen für eine Büroklammer.“ Das lockert die Atmosphäre und zeigt: Verrückte Ideen sind erwünscht.
- 4Brainstorming-Phase (15–20 Min):Jede:r ruft Ideen in den Raum, die Moderation schreibt sie sichtbar auf (Flipchart, Whiteboard, Miro). Eine Idee pro Sticky Note. Tempo halten und lange Erklärungen unterbrechen: „Kurz und knapp, wir schreiben es auf.“ Wenn der Fluss stockt: Provokationsfragen stellen: „Was wäre die dümmste Lösung? Was würde ein Kind vorschlagen? Was wäre das Gegenteil unseres aktuellen Ansatzes?“
- 5Clustern (10 Min):Alle Stickies gemeinsam gruppieren. Nicht nach „gut/schlecht“, sondern nach Themen. Cluster benennen. Typisch entstehen 5–8 Cluster.
- 6Bewertung und Auswahl (10 Min):Jetzt darf bewertet werden. Dot-Voting: Jede:r bekommt 3–5 Klebepunkte und verteilt sie auf die vielversprechendsten Ideen. Die Top-3 Ideen werden ausgewählt und im nächsten Schritt weiterverfolgt (z. B. Prototyping oder Detailplanung).
Materialliste
- Sticky Notes
- Stifte
- großes Whiteboard oder Flipchart
- Dot-Sticker für Voting
- Timer
- vorbereitete Fragestellung